Dienstag, 4. dezember 2007
Es ist nicht sonderlich schwer im Internet einen fachlichen und technischen Austausch über verschiedene Belange des aktiven musizierens zu führen.
von Dave1978
Es kommt allerdings eher seltener vor, daß die pragmatische Ebene verlassen wird und sich über geistige, emotionale, politische und andere
sinnstiftende Triebfedern hinter dem musikalischen Schaffen ausgetauscht wird. Diese Plattform möchte ich hier - unter anderem - gerne bieten.
Ich möchte anregen zum philosophieren, zum Austausch von Anekdoten, zum Plausch über persönliche Verbindung zur Musik. Und ich möchte motivieren (und vielleicht auch ab und an mal motiviert
werden) bzgl. Inspiration, neuen Wegen und Mut zur Kreativität.
Ich hoffe mit dem ein oder anderen Artikel einen solchen Austausch möglich zu machen und freue mich auf rege Beteiligung.
Viele Grüße
Dave
Dienstag, 4. dezember 2007
Der "Künstlerblick" ist eine spezielle Sichtweise, ein spezielles erleben und verwerten von Eindrücken.
von Dave1978
Es ist ein zusätzlicher Sinn, dessen Aktivierung massgeblich von Charakter, Lebensweise und Erfahrungen abhängt. In sämtlichen Bereichen der Kunst bewegen sich
eine Menge Leute, denen dieser spezielle Blick fehlt. Diese tun sich dann meist auch sehr schwer die Nuancen herauszufiltern, was ein Bild; ein Lied oder ein Gedicht speziell macht. Sie hören
sehr wohl die Spieltechnik eines Gitarristen, aber nicht den Ton. Sie interessieren sich für die Metrik eines Gedichtes, finden aber keinen emotionalen Zugang zum Inhalt. Kunst spielt sich für
solche Menschen auf einer rationalen und greifbaren Ebene ab.
Wer nun brav aus dem Fundus des erlernbaren schöpft, ist mit Sicherheit ein fleissiger Mensch, aber das macht ihn lange noch nicht zum Künstler.
Mag sein, dass es Leute gibt die lieber auf analytischem Wege Zugang zu künstlerischen Ausdrucksformen suchen, für die Kunst ein spielen mit erlernbaren Mittel ist, aber letztlich ist das eine
unbeholfene und mühevolle Art und Weise mit der Unzulänglichkeit umzugehen, Talent nicht in die Wiege gelegt bekommen zu haben und Unfähigkeit zur Kreativität sowie Inspirationslosigkeit zu
kompensieren.
Das enorme Fachwissen eines Kunstschaffenden ohne Künstlerblick ist sein Kapital. Man findet ihn allerorts wo es was zum quatschen - oder besser - kritisieren gibt. Mancher schafft es durch
Fleiss und unermüdlichen Perfektionismus gar zu einer gewissen Reife in seinen Werken. Dieser Perfektionismus ist quasi die Rache des arbeitenden Kunstschaffenden am Künstler und findet durchaus
seine Liebhaber, da Handwerk ja ein leicht zu beurteilendes Kriterium für Kunst ist, während die allgegenwärtige Frage, was Kunst denn nun noch ausmache, weiterhin in der Philosophie beheimatet
bleibt.